Lieber kastrieren als vergiften

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  1. Gast4406
    100_2379.JPG Thomas Busch und der Tierärztepool bekämpfen weltweit das Elend von Straßentieren. Bei ihren Operationen müssen sie oft genug improvisieren. Geld oder Unterstützung vor Ort gibt es nur selten.
    Thomas Busch ist aus der Karibik zurück. Sechs Wochen hat der 44-jährige in Las Terrenas verbracht, auf der Halbinsel Samaná im Nordosten der Dominikanischen Republik. Der Trip ins Urlaubsparadies bedeutete für Busch aus Sülfeld vor allem viel Arbeit. Statt auszuspannen, kastrierten er und sein Team im Minutentakt Straßenhunde und streunende Katzen.
    Seit mehr als zehn Jahren ist Busch Vorsitzender der Initiative Tierärztepool. Mit zehn Kollegen und Helfern aus Deutschland, Österreich und Portugal kämpft der Veterinär gegen explodierende Straßentierpopulationen. In südosteuropäischen Ländern wie Bulgarien und Rumänien, in den Kapverdischen Slums, aber auch in Jetset-Hochburgen wie Tossa de Mar an der Costa Brava sind die Tierschützer im Einsatz.
    „Dass gerade südeuropäische Länder Probleme mit Straßentieren haben, ist nicht neu“, sagt Busch. Noch allzu häufig scheint es für genervte Hoteliers und vermutlich manche überforderte Behörde die effektivste Lösung zu sein, Giftköder auszulegen. Die Straßentiere zu vergiften, ist für Thomas Busch nicht nur grausam, sondern völlig sinnlos: „Die Tierpopulation hängt vom Futter- und Wasserangebot ab. Wenn die Hunde vergiftet werden und verschwinden, kommen bald neue Hunde an die Futterstellen. Werden die Tiere jedoch kastriert und bleiben da, sterben sie nach und nach weg – so ist das Problem ein für alle Mal gelöst.“
    Auch Weibchen
    werden kastriert
    Busch hält nichts davon, die Tiere zu fangen und in ein Tierheim zu sperren – in vielen Fällen können sich dort Katzen und Hunde ungehindert weiter vermehren. „Bevor man Tausende Euro in Tierheime steckt, die in keiner Weise das Übel beseitigen, soll man das Geld in eine Kastrationsaktion stecken. Das versuchen wir in die Köpfe der Verantwortlichen vor Ort zu kriegen." Der Tierärztepool kastriert sowohl Weibchen als auch Männchen. Dass männliche Tiere kastriert und weibliche Tiere sterilisiert werden, stimmt nämlich nicht. Im deutschen Sprachgebrauch wird bei der Sterilisation beim Männchen der Samenleiter und beim Weibchen der Eileiter durchtrennt. Bei der Kastration hingegen werden die Drüsen komplett herausoperiert, die für den Hormonhaushalt und für den Sexualtrieb sorgen.
    Befreundete Tierschutzvereine, überforderte Tierheimleiter, Privatleute mit einem Herz für Straßentiere und manchmal sogar Gemeindeverwaltungen finanzieren die Einsätze des Tierärztepools. „Wenn sie es sich leisten können“, schränkt Busch ein, „hin und wieder arbeiten wir auch ehrenamtlich“. Mal soll das Team ein Tierheim „leer kastrieren“. Mal müssen die Tiere für eine Kastrationsaktion erst eingefangen werden.
    Operieren
    im Akkord
    Wenn es mit dem Operieren losgehen soll, heißt es wieder: Improvisieren. Wenn es gut läuft, stellt ein Tierarzt vor Ort seine Praxis zur Verfügung. In den meisten Fällen muss das mobile OP-Zelt, eine Garage oder ein Keller reichen. Operiert wird auf einem Tisch, ein steriles Tuch dient als OP-Feld. Ansonsten braucht das Team nur Strom und fließendes Wasser. Das OP- Team weiß bei seinem Einsatz in der Dominikanischen Republik nur eins wirklich sicher: Es wird stressig. Auf Thomas Busch, seine Partnerin Ines Leeuw, Tierärztin Nina Schöllhorn aus Friedrichshafen und Tierpfleger Roman aus Dinslaken wartet Akkordarbeit auf engstem Raum. Doch sobald der Mundschutz sitzt, läuft das Team zu Höchstleistungen auf. Wird das frisch operierte Tier zugenäht, ist der nächste Patient schon in Narkose versetzt, am Bauch rasiert und fertig für den Operationstisch. Jeder Handgriff sitzt. Busch ist stolz: „Die Bestzeit unserer Topchirurgin Ines liegt bei sieben Minuten für die Kastration einer Hündin. Normal dauert es zwei Stunden.“ Jedes kastrierte Tier wird markiert – Katzen bekommen eine kleine Ecke aus dem Ohr geschnitten, Hunde werden unter dem Bauch tätowiert und tragen nach dem Eingriff einen Clip im Ohr. Zwischendurch schaut der Amtsveterinär aus dem karibischen Dorf neugierig vorbei – und ist beeindruckt. Viele Streuner sind abgemagert, krank, haben Tumore oder alte, schlecht verheilte Knochenbrüche. Soweit möglich, helfen die Tierärzte auch hier. Operiert wird bis spät in die Nacht – bis zur völligen Erschöpfung.
    Die Bilanz der sechs Wochen in der Dominikanischen Republik: 650 kastrierte und 70 anderweitig medizinisch versorgte Tiere. Thomas Busch und seine Kollegen haben ihr ambitioniertes Ziel erreicht: Knapp 80 Prozent der Hündinnen in Las Terranas und den umliegenden Dörfern sind kastriert. Pro Hündin heißt das: bis zu 20 Welpen weniger im Jahr. Wo immer der Tierärztepool seinen OP-Platz aufschlägt, sind die Menschen begeistert. Busch sagt: „Dort, wo wir eingesetzt werden, gibt es oft meilenweit keinen Tierarzt. Per Mundpropaganda erfahren die Leute von uns. Sie bringen dann von zu Hause alles mit, was ein Fell hat mit der Bitte, dass wir uns die Tiere mal angucken sollen.“
    Zwei lebende
    Souvenirs
    Fördergeld aus der EU oder anderen Institutionen gibt es für den Tierärztepool nicht. Im Gegenteil. Thomas Busch kämpft als Vorsitzender des Berliner Tierschutzvereins „Förderverein Arche Noah Kreta“, in den der Tierärztepool integriert ist, schon jahrelang um eine Genehmigung, in Griechenland arbeiten zu dürfen. Vor allem Kreta hat mit 500 000 Straßentieren ein massives Problem. Doch die griechischen Behörden blocken. „Die befürchten, dass wir den Tierärzten vor Ort die Jobs wegnehmen.“
    Trotz aller Widrigkeiten, Jetlags und Magen-Darm-Grippen – Thomas Busch kann sich keinen besseren Job vorstellen. „Ich finde meine Arbeit sehr befriedigend. Wir können sehr viel Elend beseitigen.“ Hin und wieder bringt Thomas Busch doch so etwas wie ein Souvenir von seinen Einsätzen mit. Zuhause in Sülfeld wuseln zwei fröhliche Promenadenmischungen herum: eine rumänische Hündin und ein Rüde von den Kapverden.



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